Unser Sohn Merlin nutzte dieses Wochenende um seine neu erworbene Krachlederne aufs Land hinauszuführen. Um dabei nicht über die Maßen aufzufallen, wies er seine Mutter an, ebenfalls das Trachtengewand zu wählen. Auf dass beide die rustikale Couture mit einer guten ländlichen Prise durchlüften mögen.
Anlass des Familienausflugs in die ansonsten für uns einfache Bürger unerreichbare Edelzone an der traumhaften Millionärsküste des Starnberger Sees war die Vermählung von Merlins Onkel Julian, freischaffender Journalist, und seiner Verlobten Julia, Diplombetriebswirtin bei einem führenden Lifestyle Magazin. Beide unterhalten ein derart hochklassiges Netzwerk von Beziehungen, dass nicht nur Lokalitäten, Organisation und Ablauf unübertreffbar waren, sondern sich sogar die Witterung entgegen aller Voraussagen in ihrer traumhaftesten Ausprägung zu zeigen veranlasst sah.
Natürlich war ich als grosser Bruder sehr stolz auf meinen kleinen Julian. Hatte ich ihm und Bruder Stefan doch schon in frühester Jugend den richtigen Umgang mit dem weiblichen Geschlecht nahe gebracht ("Mit mehreren sollst du dich stets umgeben, aber nur eine sollst du schliesslich wählen!"). Meine beiden Brüder mögen unterschiedliche Präferenzen und Zielgruppen haben, aber die Methoden, die Methoden stimmen.
Merlin selbst, von derlei zwischenmenschlicher Entwicklung bis hin zur harmonischen Einkehr in das Wirtshaus der Ehe sicht- und vor allem hörbar gerührt, schritt nach der Zeremonie kurzfristig zur Kontaktaufnahme mit Blumenprinzessin Emilie. Natürlich weiss er bereits von der Notwendigkeit, vor einer längerfristigen Bindung diverse Parameter genau zu prüfen. Gerade in den Haute-Volée Kreisen der anwesenden Hochzeitsgesellschaft möchte man optischen Eindrücken allein nicht mehr trauen.
27 August 2006
Jedem Mann sein Weib
Protokolliert von
[Oliver, Vater]
am
27.8.06

1 Kommentar:
Herzlichen Glueckwuensche aus Japan an Jutsch und Julia!
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