30 April 2006

Kleingötter in Weiss

Die Arbeitsbedingungen für junge Ärzte in den deutschen Krankenhäusern werden zu Recht als unzumutbar bezeichnet. Wachsende Arbeitsbelastung, ständige (unbezahlte) Überstunden und die allgemeine Nichtbeachtung der Arbeitszeitgesetze prägen den Alltag.
Meine Gattin, die sich schon von Berufs wegen mit den psychischen und physischen Auswirkungen eines derartigen Belastungspotentials beschäftigen muss, hat deshalb unseren Sohn in die Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde des städtischen Krankenhauses Harlaching begleitet. Merlin hatte dort im Rahmen seiner Dissertation über die „Sauerstoffsättigung des Blutes in Korrelation zu der Pulsfrequenz bei akuter Infektion durch Respiratory-Syncytial-Virus (RSV)“ eine 48 Stunden dauernde Messreihe durchzuführen.

Mutter und Sohn sprachen im Anschluss an ihren Klinikaufenthalt unabhängig voneinander von sehr aufschlussreichen und wissenschaftlich fruchtbaren, neuen Erkenntnissen. Durch die hohe Qualität der Ergebnisse sei eine erneute Durchführung der Erhebungen vor Ort voraussichtlich in beiden Fällen nicht erforderlich.

24 April 2006

Vogue

Merlin arbeitet derzeit parallel an diversen Karriereansätzen. Neben seinen wirt- und wissenschaftlichen Bestrebungen ist das Kind bekanntermassen sehr an eigenen Pionierleistungen in der bemannten Luftfahrt interessiert, möchte dabei aber auch seine künstlerischen Ambitionen keinesfalls zu kurz kommen zu lassen.

Wie er uns nun gestern nachmittag mitteilte, denke er neuerdings auch wieder ernsthaft über eine Fortsetzung seiner Modelkarriere nach. So hätte er, begünstigt durch seine Beziehungen, die ihm als Ururenkel einer berühmten Puppenmutter mannigfaltig zur Verfügung ständen, bereits seinem Grossvater väterlicherseits, dem Profifotografen Toddi R., einen dauerhaften Exklusivvertrag in Aussicht gestellt.

23 April 2006

Kunstflug

Die Pilotenlizenz unseres Sohnes bedarf dringend einer Auffrischung. Der rasante Fortschritt in der technischen Ausstattung moderner Fluggeräte macht eine regelmäßige Revision der Kenntnisse eines Piloten unabdingbar. Ist es doch essentiell für die Sicherheit von Mensch und Maschine, im immer dichter gefüllten Luftraum schnell, souverän und angemessen auf die sich laufend ändernde Umgebungssituation reagieren zu können.
Es ist ein schier unglaublicher Zufall, dass Merlin ausgerechnet mit seinem Großvater mütterlicherseits einen der erfahrensten und respektiertesten Pilotenausbilder des Landes in der Familie hat, eine Kapazität, ja, eine Luftfahrtlegende. Letzterer ließ es sich nicht nehmen, extra für seinen Enkel ein völlig neues und ultraperformantes Motorsegelflugzeug zu entwerfen, zu konstruieren und zwischenzeitlich sogar einzufliegen.
Zur Erneuerung seines Flugscheins absolvierte unser Sohn zunächst einen theoretischen Teil, die so genannte Bodenübung. Hier ging es um die Auffrischung seiner Kenntnisse zu komplexen Zusammenhängen in der thermischen Strömungslehre, der Interpretation moderner Sensorik, Instrumentenflug und Rettungsstrategien nach abgebrochenen Kunstflugmanövern.
Fluglehrer Matthias bescheinigte Merlin schließlich die für die Lizenzerneuerung erforderlichen theoretischen Kenntnisse. Er gab uns allerdings zu bedenken, dass die Englischkenntnisse des Kindes, und hier insbesondere die Grammatik, dringend verbessert werden müssen wenn es bei den geplanten Langstreckenflügen nicht zu Kommunikationsschwierigkeiten mit den angelsächsischen Kontrollbehörden kommen soll.
Im Anschluss an die gelungene Theorieprüfung wurde, wie in Fliegerkreisen üblich, heftig, fröhlich und feucht gefeiert. Merlin verdankt es allein uns, seinen treusorgenden Eltern, dass er zu Zeiten wieder nach Hause gefahren wurde und nicht vollends Zeit und Raum vergaß, im Rausch der Sinne, bei Wein, Weib und Gesang.

14 April 2006

Kalbsschweiners

Das Kind muss endlich etwas Anständiges essen. Allein deswegen nahm ich gestern den weiten Weg zur Fleischerei Pressschweiger in Ampermoching auf mich. Schon beim Sichten der Schaufensterauslage (Osteraktion: Ochseninnereien aus eigener Schlachtung) wusste ich: Hier bin ich richtig!
Erna Pressschweiger bedient noch selbst: "Grüss Gott Herr äähh..., wieder amoi a Weisswurschtdiät?" Nein, heute ginge es mir vielmehr um meinen Sohn, da müsse es schon etwas Anständiges sein. "Na nimmst hoit drei Pfund Koibsschweiners, a paar Kaaswürscht und den Presssack da drübm!" Ich bedankte mich höflich für die fachkundigen Empfehlungen. "Scho recht, na dua I erm no a an Aufschnitt und a Koibsleber dazua, mia woima ja ned doss da Bua uns vom Fleisch foit geh, haha...". Es tut gut verstanden zu werden in der Sorge um eine ausgewogene Ernährung des Nachwuchses.
Wieder zuhause angekommen verarbeitete dann die Kindsmutter die Schlachtschätze sorgsam zu einem vollwertigen Mahl für unseren Sohn. Beim Verzehr leuchtete in den Augen des Kindes eine grosse glückliche Dankbarkeit auf.
Eine Dankbarkeit die uns Eltern auch weiterhin Motivation sein wird, grösste Mühen für eine gesunde und artgerechte Aufzucht auf uns zu nehmen.

11 April 2006

Lago Garda est!

… wie wir Lateiner zu sagen pflegen. Zeitgenössisch: „Eeh, machst du Lago odar?

Merlin jedenfalls, seines Zeichens Zeitgenosse, hat „Lago gemacht“. Hat sich quasi mit uns, seinen Altvorderen, ein paar Tage Auszeit am See genommen. Den Turbodiesel lenkte er flott Richtung Italien, brauchte allerdings wegen Stau aufgrund von Bauarbeiten seiner italienischen Handwerkerkollegen gute siebeneinhalb Stunden bis Torbole. Egal, am Babystammtisch wird trotzdem wie immer aufgetrumpft: „Ah geh, München-Torbole keine 3 Stunden, gut durchgekommen, 200 Sachen, konstant linke Spur, scheiss Abbremsen für die Mautstation am Brenner!
Am Gardasee angekommen haben wir uns dann alsgleich im Camping Europa eingefunden, Vordach aufgebaut und alles für die Nacht fertiggemacht, während unser Juniorchef erstmal eine Runde geschlafen hat.

Nächsten Morgens mussten wir dem Sohn zunächst die Flaniermeile am Nordufer zeigen, er selbst hat spontan den Kontakt zum dortigen Gefieder gesucht und gefunden: „Die Hühner am Lago wieder hey, dieses ganze Schicksengschwärl von Prossetschogrätschen, wie die Schmeissfliegen, kaum dass du sie loswirst!“ Nein, Merlin, Enten, es handelte sich hierbei vielmehr um die gemeine Stockente samt zugehörigem Erpel.

Wie auch immer, abends haben wir ein ortsansässiges Restaurant besucht. Wir bestellten Pizza, Salat und Pasta, der Sohn hingegen bekam derweil die Mutterbrust:
Ne Menge Italiener da drunten, aber ich hab mir natürlich gleich mal beim Giorgio ne standesgemäße Calzone rausgelassen!

Anderntags suchten wir die Ruhe und Abgeschiedenheit des nahen Gebirges. Ungleich früherer, wilderer Aktivitäten beließen wir es bei einer einfachen Bergwanderung, den Sohn erstmalig in der Kraxe mitführend: „Hey konkret wieder die 6b Stellen an der Colodri Ostwand geflashed und nachher noch ne Runde Ora im Trapez abgeglitten!

Nach diversen Tagen der Erholung und vielen neuen Eindrücken für unser Kind traten wir bereichert die Heimreise an: „Pflichtprogramm erledigt, Hühner vertröstet, letztlich wieder die Biege gemacht, Standard, aber halt trotzdem immer wieder geschmeidig drunten am Lago!